02.07.2009
Daum begeistert Istanbul erneut

Christoph Daum ist zurück in seiner zweiten Heimat
Der türkische Rekordmeister Fenerbahce Istanbul ist im Daum-Fieber. Die fussballverrückten Fener-Fans feiern Christoph Daum bei seiner Rückkehr an den Bosporus mit Liebeserklärungen, die Zeitungen widmen ihm ganzseitige Berichte. "Ich bin halb Türke, aber ganz Fenerbahce", sagt der 55-Jährige. Daum weiss, wie er in der Türkei den richtigen Ton trifft. "Die Einigung mit Daum ist der erste Schritt hin zu drei Meistertiteln", verspricht Vereinspräsident Aziz Yildirim und legte damit bei der Unterzeichnung des bis 2012 laufenden Vertrages mit dem Deutschen die Latte gleich sehr hoch.
Für den Erfolg soll sich nun alles nach den Wünschen des Trainers richten, auch was Transfers angeht. Die Fans des Vereins, der mit mehr als 162.000 Mitgliedern zu den grössten der Welt gehört, sind begeistert. So wird zum Beispiel der niederländische Superstar Ruud van Nistelrooy von Real Madrid als möglicher Neuzugang gehandelt. "Als ich nicht in der Türkei war, habe ich die Türkei in Deutschland vertreten", sagt Daum, von 2003 bis 2006 schon einmal Coach von Fenerbahce. Damals wurde er zweimal türkischer Meister und habe Istanbul nur schweren Herzens verlassen. Dieses euphorische Bekenntnis zu seiner neuen Wahlheimat macht den Deutschen so beliebt.
15 Millionen Euro für drei Jahre
Erstes Ziel sei die türkische Meisterschaft, verspricht er mit der ihm eigenen positiven Besessenheit. "Wir sind bereit, jeden Tag 24 Stunden zu trainieren", zitieren ihn türkischen Zeitungen weiter. Nach der Vertragsunterzeichnung verschwand Daum umgehend in das Trainingscamp Samandira im Osten von Istanbul.
Für seine Arbeit soll Daum laut der Zeitung "Haberturk" 3,7 Millionen Euro bekommen. Mit Zulagen und Kosten für das Trainer-Team kommen demnach in drei Jahren rund 15 Millionen Euro zusammen. Das ist ein "astronomischer Betrag", findet das Blatt, das einen lachenden Daum über der englischen Schlagzeile "I love Euro" zeigt. Ein Aufreger ist das Thema Geld in der Türkei aber nicht.
Am Montag hatte der neue Liebling, der bei seinem letzten Club 1. FC Köln vor rund einem Monat von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte, bei Fener das erste Training geleitet. Köln habe grosses Potenzial und sei ein "kleines Fenerbahce", sagt Daum. In Istanbul habe er jetzt aber ganz andere Möglichkeiten.
Daum bestohlen
"Hier ist Kadiköy. Hier gibt es keinen Ausweg", werden gegnerische Teams im Sükrü-Saracoglu-Stadion, der Heimat von Fener gern begrüsst. In Kadiköy auf der asiatischen Seite der Stadt gelegen, ist es eines von nur zwei Fünf-Sterne-Stadien in der Türkei. Es fasst mehr als 50.000 Zuschauer, war immer wieder Schauplatz spektakulärer Spiele und gilt seit Abschluss der Renovierungsarbeiten im Jahr 2006 als die modernste Sportanlage des Landes.
Unglücklich ist bisher eigentlich nur die Anreise Daums nach Istanbul verlaufen. Als er auf dem Flughafen Düsseldorf eincheckte, stahlen Diebe sein Laptop und eine Tasche. Darauf sind Trainingsdaten und Telefonnummern von internationalen Spielern abgespeichert. Wenn ein Journalist die Daten in die Finger bekommen sollte, habe er ein Jahr lang Stoff für gute Geschichten, scherzte Daum.