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Barnettas Bayer verpasst Rückeroberung
Barnettas Bayer verpasst Rückeroberung
Eric Maxim Choupo-Moting im Duell mit Manuel Friedrich

Abstiegsangst gegen Meisterschaftskampf - unterschiedliche Voraussetzungen herrschten vor dem Anpfiff im Nürnberger easyCredit-Stadion. Die Gäste aus Leverkusen hatten die grosse Möglichkeit, sich nach nur einer Woche mit einem Sieg die Tabellenführung zurückzuerobern.

Etwas dagegen hatten die Clubberer, die nach den Resultaten von gestern auf einen direkten Abstiegsplatz zurückrutschten. Dass auch Nürnberger indirekt am Meisterschaftskampf teilnahmen, lag an den zahlreichen Leihgaben:  Während Breno und Andreas Ottl vom FC Bayern München ausgeliehen sind, steht Marcel Risse beim heutigen Gegner unter Vertrag. Dass heute jedoch ganz andere Leihgaben im Mittelpunkt stehen sollten, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen...

Im Vergleich zum 0:0 gegen den 1. FC Köln stellte Bayer-Coach Jupp Heynckes sein Team auf zwei Positionen um: Michal Kadlec rutschte für Daniel Schwaab in die Viererkette, Gonzalo Castro begann deshalb rechts, der Tscheche links. Im Mittelfeld erhielt Renato Augusto den Vorzug vor Tranquillo Barnetta und sollte über die rechte Seite für Druck sorgen, Toni Kroos wich nach links aus. Beim 1. FC Nürnberg brachte Dieter Hecking eben Marcel Risse und Breno für den gesperrten Albert Bunjaku und Dominic Maroh.

Bei strahlendem Sonnenschein sahen die rund 40.000 Zuschauer zu Beginn zwei Mannschaften mit offenem Visier. Eren Derdiyok hatte die erste Möglichkeit für Bayer in der vierten Minute, als er seinen Kopfball nach einer Ecke von Kroos am linken Pfosten vorbeisetzte. René Adler intervenierte auf der anderen Seite rechtzeitig, als er eine Hereingabe von Risse mit einer Hand abwehrte, bevor Mike Frantz an das Leder kommen konnte (8.). Ansonsten blieben Torchancen hüben wie drüben in der ersten Viertelstunde allerdings Mangelware.

Breno verletzt sich schwer

In der 18. Minute setzte Mickael Tavares mit einem schönen, öffnenden Pass Marcel Risse auf der rechten Seite in Szene, doch anstatt selbst den Abschluss zu suchen, zögerte die Bayer-Leihgabe zu lange. Nur eine Minute später stand wieder der Franzose Tavares im Mittelpunkt, als er die Defensive der Werkself im Alleingang vernaschte, dann aber aus 14 Metern am langen Pfosten vorbeizog. Doch die dickste Gelegenheit zum ersten Treffer hatte in der 24. Minute Toni Kroos. Gonzalo Castro chippte den Ball herrlich auf den 20-Jährigen, der die Kugel über den herauseilenden Raphael Schäfer lupfte, dann jedoch seine eigene Vorlage nicht erlaufen konnte. So kullerte der Ball knapp am rechten Pfosten vorbei.

Für die erste unschöne Aktion sorgte Javier Pinola. Der Argentinier liess in der 29. Minute den Brasilianer Renato Augusto im lateinamerikanischen Duell auflaufen und sah die erste Gelbe Karte des Spiels. Und auch Breno ging in der 31. Minute unsanft zu Boden, weil ihn Stefan Reinartz mit gestrecktem Bein böse erwischte. Der Ex-Nürnberger sah Gelb, Breno musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins Krankenhaus gebracht werden und wurde durch Dominic Maroh ersetzt. Ein herber Ausfall für die Defensive des Clubs. "Ein Kreuzbandriss ist sehr wahrscheinlich. Er wird uns fehlen", sagte Trainer Dieter Hecking.

In der Halbzeitpause wurde später sogar ein Kreuzbandriss vermutet. Insgesamt fehlte in dieser Phase auf beiden Seiten die Struktur. Ilkay Gündogan schickte in der 36. Minute Mike Frantz steil, doch Arturo Vidal konnte seinen Gegenspieler noch erfolgreich am Torschuss hindern.

Eric Maxim Choupo-Moting schockt Bayers Defensive

In der 41. Minute machten es die Nürnberger besser: Mike Frantz gewann nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte ein Kopfballduell gegen Castro und bediente Eric Maxim Choupo-Moting. Die HSV-Leihgabe liess Sami Hyypiä ins Leere laufen und war schneller als Manuel Friedrich. Eiskalt schob der 21-Jährige den Ball in die Maschen. Und als ob er vom Torjubel nicht genug bekommen könnte, war der Stürmer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch einmal zur Stelle. Nach einem Zuspiel von Dennis Diekmeier griffen erneut Friedrich und Hyypiä zu spät an. Choupo-Moting setzte wieder zum Torschuss an und haute den Ball unter die Latte. René Adler war in beiden Situationen chancenlos. Choupo-Moting freute sich über den zweiten und dritten Saisontreffer. Mit einer verdienten, aber vielleicht um ein Tor zu hohen 2:0-Führung gingen zufriedene Clubberer in die Halbzeitpause.

Beide Trainer vertrauten zu Beginn des zweiten Durchgangs den 22 Aktiven, die auch zuletzt auf dem Platz standen. Und die Spieler von Dieter Hecking zahlten ihrem Trainer dieses Vertrauen zurück. Den ersten Eckball der Gastgeber trat Marcel Risse in der 55. Minute von der rechten Seite in die Mitte, wo Mickael Tavares den Ball am Elfmeterpunkt volley nahm und ins linke untere Eck zu seinem ersten Bundesligator verwandelte. Das 3:0 für den Club! Adler flog vergeblich, auch weil Andreas Ottl ihm noch die Sicht nahm. Nur zwei Minuten später hatte der Club allerdings Glück, als Schiedsrichter Dr. Jochen Drees den Gästen einen Elfmeter verweigerte. Andreas Wolf wollte seinem Keeper Schäfer den Ball überlassen und rammte Stefan Kiessling kurzerhand im Strafraum ohne Ball zur Seite.

Tavares und Helmes mit dem ersten Saisontor

Das Vertrauen von Jupp Heynckes, bis zum heutigen Tag 30 Bundesligaspiele in Folge ohne Niederlage, zahlte sich hingegen nicht aus. Und so wechselte der Trainer in der 59. Minute zweimal aus: Tranquillo Barnetta und Patrick Helmes kamen für Eren Derdiyok und den seit dem Foul an Breno permanent ausgepiffenen Stefan Reinartz. Barnetta war es dann auch, der den Anschlusstreffer der Werkself einleitete. Sein Zuspiel im Mittelfeld leitete Arturo Vidal schön weiter auf die rechte Seite. Gonzalo Castro lief Pinola davon und passte clever in die Mitte, wo Stefan Kiessling mit seinem 14. Saisontor locker einschieben konnte - erst der zweite Rückrundentreffer für den Führenden der Torjägerliste.

Die Nürnberger versuchten in der Folge, die Räume dicht zu machen und standen tief. Das gab den Leverkusenern mehr Ballbesitz, auch weil die Franken den Ball zu leicht herschenkten. So setzte erneut Castro zu einer Flanke von der rechten Seite an. In der Mitte behinderten Dennis Diekmeier und Wolf sich gegenseitig. Der Rechtsverteidiger köpfte den Ball direkt zu Patrick Helmes. Der zuvor eingewechselte Stürmer nahm Mass und hämmerte das Spielgerät aus 13 Metern ins linke Eck. Plötzlich stand es nur noch 3:2 für den 1. FC Nürnberg (73.).

Dieter Hecking reagierte auf den Leverkusener Doppelschlag und brachte mit Daniel Gygax für Mike Frantz einen frischen Mann (78.). In der 84. Minute erkämpften sich die Nürnberger ihre zweite Ecke. Und fast hätte sie wieder zum Erfolg geführt. Einmal mehr sah Manuel Friedrich äusserst schlecht aus, als er den Ball von Risse unterlief. Doch dieses Mal war Choupo-Moting zu überrascht und hatte Probleme mit der korrekten Ballannahme. Auf der Gegenseite hatte Tranquillo Barnetta vier Minuten vor dem Ende den Ausgleich auf dem Fuss. Aus spitzem Winkel fand der Schweizer nach Zuspiel von Vidal allerdings in Raphael Schäfer seinen Meister.

Leverkusen und Heynckes - zwei Serien reissen

Fast hätte sogar noch ein Joker gestochen. Nach einem Stellungsfehler von Hyypiä hatte Daniel Gygax gleich zweimal die Möglichkeit zum 4:2, doch dem Schweizer fehlte die letzte Konsequenz. Dieter Hecking tobte derweil an der Aussenlinie wie Rumpelstilzchen. Doch nur wenige Momente später konnte er über den ersten Heimsieg unter seiner Leitung jubeln.

Jupp Heynckes Serie endete in diesem Moment genauso wie die seines Teams. 30 Spiele war der Trainer, 24 Spiele seine Mannschaft ungeschlagen. Die Leverkusener fielen nach langer Zeit sogar auf den dritten Rang der Tabelle zurück und mussten an diesem Spieltag auch die Schalker passieren lassen. Der Club sammelte hingegen wichtige Punkte im Abstiegskampf und verliess mit diesem insgesamt verdienten Erfolg die Ränge unter dem Strich. Bitter bezahlen mussten sie den Sieg mit der schweren Verletzung Brenos. Bayers Verluste wogen da weniger schwer, denn Toni Kroos und Stefan Reinartz müssen wegen ihrer fünften Gelben Karte nur im Spiel gegen den Hamburger SV pausieren. Die Hamburger spielten heute ebenfalle eine nicht unerhebliche Rolle: Schliesslich sind sowohl Choupo-Moting, als auch Tavares Leihgaben der Norddeutschen. Und so standen heute eben diese Leihgaben im Mittelpunkt - und nicht Ottl, Risse und Co.

Christian Lammé

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