01.07.2009
Medaillengewinn eine Frage der Kraftreserven

Daniela Ryf
Daniela Ryf gilt als aussichtsreichster Schweizer Trumpf an der Triathlon-EM am Sonntag in Holten (Ho). Die Kraftreserven der Solothurnerin dürften im Kampf um die Medaillen der massgebende Faktor sein.
Für die letztjährige U23-Weltmeisterin und frischgebackene Team-Weltmeisterin wird es bereits der vierte Wettkampf innerhalb von zwei Wochen sein. Ryf hatte mit Rang 3 am ITU-WM-Rennen vor zwei Wochen in Washington für den ersten Schweizer Podestplatz in der neuen Serie gesorgt. Am vergangenen Wochenende startete sie am Weltcup in Des Moines (USA), wo sie innnerhalb von 24 Stunden den Einzelwettkampf bestritt und danach im Teamwettbewerb massgeblichen Anteil am überraschenden Triumph hatte.
An der zum ersten Mal im "2+2-Mixed-Format" ausgetragenen Team-WM hatten die Schweizer in der Besetzung mit Magali Di Marco, Ruedi Wild, Ryf und Lukas Salvisberg überraschend die Goldmedaille gewonnen. Das neue Format wird vom Weltverband ITU als zusätzliche Disziplin im Triathlon (neben den bestehenden Einzel-Wettkämpfen der Frauen und Männer) für die Aufnahme ins Olympia-Programm vorangetrieben.
Lukas Salvisberg (21), im Vorjahr an der U23-WM Sechster, deutete mit Nachdruck seine Qualitäten an. Er liess im Sprint um den Titel dem mehrfachen Weltcup-Sieger Brad Kahlefeldt aus Australien keine Chance. Ruedi Wild (26), bislang bestenfalls die Schweizer Nummer 4 über die olympische Distanz, zeigte die wohl wertvollste Leistung seiner bisherigen Karriere.
An der EM ist vom Gold-Quartett einzig Ryf gemeldet. Die anderen drei werden geschont. Vom letztjährigen Olympia-Team in Peking fehlen zudem Sven Riederer, der zum zweiten Mal Vater wird, und Olivier Marceau. Der EM-Dritte des Vorjahres erholt sich vom Einsatz im Ironman Nizza.
Dafür ist Nicola Spirig, die Olympia-Sechste von Peking und EM-Dritte 2007, wieder am Start. Die bislang einzige Schweizer Triathletin, die schon zwei Weltcup-Rennen über die olympische Distanz gewinnen konnte, legte in diesem Jahr ihren Fokus auf das Jura-Studium. Die EM-Podestplätze dürften für sie derzeit ausser Reichweite liegen.
Nationaltrainer Iwan Schuwey ist gleichwohl überzeugt: "Wir treten vorab mit einem starken Frauen-Team an. Eine Medaille und Top-10-Rangierungen sind das Ziel." Favoritin ist die fünffache Europameisterin und Titelverteidigerin Vanessa Fernandes (Por), die nach einem Schlüsselbeinbruch im Winter ihre internationale Rückkehr feiert. Bei den Männern sind Alistair Brownlee (Gb), Javier Gomez (Sp) und Titelverteidiger Frédéric Belaubre (Fr) erste Titelanwärter.
Für den neuen Mixed-Team-Wettkampf mit zwei Frauen und zwei Männern haben die Schweizer den Schwerpunkt auf die WM gelegt. In Holten wird auf die Teilnahme verzichtet. Im Vorjahr hatten die Schweizer an der EM in Lissabon im alten Format (Männer und Frauen getrennt) beide Titel geholt. (Si)