02.07.2009
Die FEI wählt die Flucht nach vorne

Prinzessin Haya bint al Hussein will hart durchgreifen
Prinzessin Haya bint al Hussein, die umstrittene Präsidentin des Internationalen Reitverbandes FEI, ergreift die Flucht nach vorne. Schwer belastet durch mehrere Doping-Fälle in der eigenen Familie, kündigt Haya härtere Strafen an.
Die aus Jordanien stammende Königstochter gewährte Anfang der Woche einigen Medien Audienz, um den verschärften Kampf gegen Doping, Manipulation und Betrug auszurufen. "Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit unseres Sports hat gelitten", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Es müsse wieder sauber werden, sonst sei der Sport tot.
Doping in der eigenen Familie
Zur Doping-Diskussion, die in Deutschland durch den spektakulären Fall der fünfmaligen Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth angeheizt wurde, sagte die Prinzessin mit schmeichelnden Worten: "Deutschland ist das Juwel in der Krone des Pferdesports. Es ist normal, dass das Erdbeben auch dort beginnt." Tatsächlich ist die Stimmung zwischen der FEI-Präsidentin und dem deutschen Verband derzeit frostig, weil das unbequeme FEI-Vorstandsmitglied Hanfried Haring abserviert werden sollte. Das "Erdbeben" aber ist in ihrer Heimat, den Vereinigten Arabischen Emiraten, viel stärker.
Die Prinzessin, die auch IOC-Mitglied ist, steht noch stärker unter Druck als der deutsche Verband: Ihr Ehemann Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum muss sich wegen zwei positiver Dopingproben verantworten, und auch gegen dessen Sohn Scheich Hamdan bin Mohammed al Maktoum wird ermittelt.
Alle drei positiven Tests sind klare Doping-Fälle. Beim Pferd Tahhan des Scheichs aus den Emiraten wurde das anbole Steroid Stanozolol sowie zweimal das Psychopharmakon Guananbenz gefunden. Beim Pferd des Sohnes Eo Fawati war es auch Stanozolol. Insgesamt wird derzeit gegen zehn Reiter aus den Emiraten ermittelt.
Die FEI-Präsidentin wälzt die Verantwortung nicht vom Reiter auf die Tierärzte ab. "Wenn ich dies anzweifeln würde, sähe es so aus, als wollte ich meinen Mann schützen", sagte sie. Der Reiter sei die verantwortliche Person.
Grenzwerte statt Null-Lösung
Haya bemüht sich darum, Härte zu zeigen und kündigte verschärfte Strafen an: "Wir müssen Sanktionen aussprechen, die abschrecken." Bisher kommen Doping-Sünder im Pferdesport mit Sperren von wenigen Monaten davon, während in anderen Sportarten die Athleten für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen werden.
Allerdings wirkt der Doping-Kampf halbherzig, wenn die Chefin gegen Trainingskontrollen der FEI ist. "Das ist Sache der einzelnen Verbänden", ergänzte sie. Ohne Kontrollen in den Ställen dürften Betrüger nicht erwischt werden. Zudem soll für verbotene Medikation die Null-Lösung abgeschafft und durch Grenzwerte ersetzt werden. (Si)