02.07.2009
Steffen Peters setzt neue Massstäbe

Steffen Peters reitet in einer neuen Dimension
In der Dressur sind neue Zeiten angebrochen. Isabell Werth ist wegen Doping gesperrt, und ohne die fünffache Olympiasiegerin wurde Deutschland von Holland deutlich bezwungen. In der Einzelwertung setzt der Deutsch-Amerikaner Steffen Peters neue Massstäbe.
Der 45-jährige Weltcupsieger deklassierte im Grand-Prix von Aachen mit seinem elfjährigen Ravel in japanischem Besitz seine Konkurrenz. Mit 77,830 Punkten setzten ihn die Richter mit einem Vorsprung von beinahe 5,4 Zählern deutlich an die Spitze vor dem Holländer Hans Peter Minderhoud mit Nadine und der aus Sibirien stammenden Russin Akexandra Korelewa mit dem 19-jährigen ehemaligen Polizeipferd Balagur.
Hinter der dänischen Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein mit Digby erreichte die dreifache Olympiasiegerin Anky van Grunsven mit ihrem Spitzenpferd Salinero gemeinsam mit der neuen deutschen Hoffnung, Matthias Alexander Rath/Sterntaler, lediglich Platz fünf -- und war damit gut bedient. Der Stern des 15-jährigen Hannoveraners Salinero scheint erblasst, das Pferd war total verspannt. Die Holländer, die ohne ihren Meister Edward Gaal und auch ohne ihre starken Amazonen Imke Schellekens-Bartels und Adeline Cornelissen antraten, werden dennoch an der EM kaum zu bezwingen sein. Denn ohne die gesperrte Werth fehlt dem deutschen Team die Vorzeigereiterin.
Christian Pläge (16.) mit dem 17-jährigen Regent und Schweizer Meisterin Marcela Krinke-Susmelj (18.) mit Corinth zeigten gefällige und akzeptable Leistungen ohne ersichtliche Fehler. "Ich begann bewusst vorsichtig, weil Corinth im Vorjahr in der Arena abgedreht hatte", sagte die Luzerner Kleintierärztin. "Ich bin Corinth nicht voll ausgeritten und werde im Spécial mehr angreifen." Besonders vermochten der starke Trab, die Einer- und Zweierwechsel zu gefallen. Die Steigerung des Schützlings von Silvia Iklé in Piaffe/Passage war deutlich erkennbar, wurde von den Richtern aber (noch) nicht gebührend honoriert.
EM-Test von Iklé mit Zweitpferd
Einen Hoffnungsschimmer für die Schweizer Dressurreiter lässt Silvia Iklé aufkeimen. Da ihr Spitzenpferd Salieri CH wegen seines Bänderrisses auf unbestimmte Zeit ausfällt, könnte sie eventuell die Equipe mit ihrem Zweitpferd Romario verstärken. Die 60-jährige EM-Vierte aus Niederhasli wird ihren 17-jährigen Wallach in der nächsten Woche dem Richtergremium in Vierzon (Fr) präsentieren. Sollte sie die FEI-Norm von 64 Punkten deutlich übertreffen, plant sie auch einen Start am CDI in Strassen (Lux), um die geforderten Selektionskriterien für die EM Ende August in Windsor zu erfüllen.
Beachtlicher Dressurstart der Fahrer
Einen geglückten Start verzeichneten die Schweizer Viererzugfahrer in der Dressur. Schweizer Meister Daniel Würgler nimmt den sechsten, Werner Ulrich den siebten Zwischenrang ein, und das Team belegt im Zwischenklassement hinter Holland und hauchdünn hinter Deutschland Platz drei. "Ich bin sehr zufrieden, zumal ich ein Pferd kurzfristig ausspannen und ersetzen musste", sagte der Baselbieter Daniel Würgler. Ulrich sprach von zwei Rumplern in den Verstärkungen, die ihm ein noch bessere Punktzahl verwehrten. Am Vortag hatte der Berner die Dressuraufgabe in Aachen für sich entschieden.
Tiziana Realini verzichtet
Die Vielseitigkeit, früher Military genannt, wird am Freitag ohne Schweizer Beteiligung beginnen. Die Olympiareiterin Tiziana Realini verzichtet auf einen Start. Der 14-jährige Inländer-Wallach Gamour der Tessinerin ist nach seinem Virusinfekt, den er sich im Mai in Marbach zugezogen hat, noch nicht fit für einen echten EM-Belastungstest.
von Peter Wyrsch (Si)