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Mc Enroe: ''Federer ist der grösste Spieler aller Zeiten''
Mc Enroe: ''Federer ist der grösste Spieler aller Zeiten''
McEnroe: ''Die Jungen können vielleicht von uns etwas lernen und wir Älteren etwas von ihrer Energie abschöpfen.''

Mit John McEnroe dürfen sich die Besucher des Zurich Open (9. bis 13. März) auf einen der spektakulärsten Spieler aller Zeiten freuen. An einer Telefonkonferenz einen Monat vor Turnierbeginn präsentierte sich die einstige Weltnummer 1 bestens gelaunt.

Mc Enroe bei ''Champions meet Talents''

In der Saalsporthalle werden die Zuschauer McEnroe und die anderen Superstars wie Stefan Edberg, Boris Becker oder Goran Ivanisevic gleich mehrfach zu Gesicht bekommen. Sie bestreiten die Einzelpartien und an der Seite von acht der weltbesten Nachwuchscracks auch eine Doppelkonkurrenz unter dem Motto "Champions meet Talents". McEnroe, per Telefon aus New York zum Gespräch mit Schweizer Medien zugeschaltet, freut sich auf die Premiere des innovativen Konzepts: "Die Zuschauer mögen das und wir können uns hoffentlich gegenseitig helfen. Die Jungen können vielleicht von uns etwas lernen und wir Älteren etwas von ihrer Energie abschöpfen."

Der am 16. Februar 1959 auf dem deutschen US-Militärstützpunkt Wiesbaden geborene McEnroe feiert zwar nächste Woche seinen 51. Geburtstag, zum "alten" Eisen gehört er aber noch lange nicht. Um auf der "ATP Champions Tour", welche sich in den letzten Jahren qualitiativ massiv weiterentwickelt hat, eine gute Figur zu machen, trainiert McEnroe viel. Im Gegensatz zu früher, wo er es vorzog, Konditionseinheiten auszulassen und stattdessen Doppelturniere zu bestreiten (und an der Seite von Peter Fleming meist auch zu gewinnen), lässt er dabei auch den physischen Aspekt nicht aus: "Dreimal in der Woche bin ich rund eineinhalb Stunden auf dem Platz, dreimal gehe ich aber auch ins Fitnessstudio. Es macht mir Spass und gibt mir ein gutes Gefühl."

''Federer ist der grösste Spieler aller Zeiten''

Zu seinen besten Zeiten war McEnroe auf schnellen Belägen fast unschlagbar, weil er ein Serve-and-Volley-Spiel in Perfektion zelebrierte und mit seinem unglaublich entwickelten Ballgefühl gleichermassen die Gegner zur Verzweiflung und die Fans zur Verzückung brachte und daneben aufgrund seines irischen Temperaments auch unberechenbar bis zum Exzess war. Die "Ahhs" und "Ohhs", die vor allem Anfang der achtziger Jahre regelmässig die Courts dieser Welt füllten, bringt McEnroe, selber nun der wohl anerkannteste TV-Fachkommentator, nun einem anderen Spieler entgegen: "Roger Federer ist der grösste Spieler aller Zeiten und es ist schlicht wunderbar, ihm zuzuschauen."

Der Münchensteiner bricht ja die Rekorde praktisch im Akkord. Wie für viele andere Experten auch, ist es auch für McEnroe schwierig festzulegen, welche Marke -- 23 Major-Halbfinals in Serie, 18 der 19 letzten Finals erreicht, 16 Titel -- am Höchsten einzuschätzen ist. "Es sind alle unglaublich. Ich glaube, unter den Top 20 gibt es ja nicht einmal einen anderen Spieler, der überhaupt 23 Grand-Slam-Turniere in Serie bestritten hat..."

McEnroe selber spielte Toptennis bis knapp über 30. Ob sich dies bei Federer ähnlich verhalten wird, vermag der geniale Linkshänder nicht zu beurteilen: "Bei mir war es so, dass ich in den letzten acht Jahren keine Majors mehr gewonnen habe. Bei Roger wird man schauen müssen, wie es einmal sein sollte, falls er regelmässig verliert an den grossen Turnieren. Das würde ihm sicher nicht gefallen."

''Doppel wirkt wie Dinosaurier''

In Zürich werden mit Ausnahme von Jewgeni Kafelnikow ausschliesslich Spieler am Start sein, die dem Offensivtennis huldigen. Diese kompromisslos den Weg ans Netz suchende Spezies Spieler ist heute auf Topniveau ATP-Tour praktisch ausgestorben, McEnroe glaubt aber, dass es weiterhin Platz dafür hätte: "Absolut, ein junger Sampras oder auch ein Becker würden vielen Gegnern grosse Probleme bereiten und ich glaube, das ist zyklisch."

Ebenfalls immer mehr an Bedeutung verloren haben die Teamspekte, welche für McEnroe besonders wichtig waren. Gerade in Europa hat es viele Turnierdirektoren, welche das Doppel am liebsten komplett ausradieren würden und mehr und mehr Topspieler privilegieren die Einzelkarriere im überladenen Kalender zulasten des Davis Cup. Eine Patentlösung hat auch McEnroe nicht parat: "Das Doppel wirkt heute wie ein Dinosaurier in der Moderne. Und der Davis Cup ist in dieser Form leider ein Witz. Es gab vor 30 Jahren, als ich auf die Tour kam, schon zu viele Turniere. Es ist nicht einfach, eine Lösung zu finden, aber man kann auch nicht einfach nichts tun."

von Marco Keller (Si)

 
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